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Es gibt noch
viel zu erleben.

Brücke in andere Welten

Die innovative Fortbildungsveranstaltung "Psychopathologie und Schauspiel" macht psychische Erkrankungen im HB erlebbar. Das Ziel: Hemmungen abzubauen und die Kommunikation mit Betroffenen zu verbessern.

Vortragende und Publikum bei der Fortbildungsveranstaltung Psychopathologie und Schauspiel.

 

„Ich bin doch keine Alkoholikerin!“ Die Dame, die sich gerade um die Aufnahme in das Pflegekrankenhaus bemüht ist erbost, als ihr Gesprächspartner, ein Arzt, diese Vermutung in den Raum stellt. Gut, ein Glaserl Sekt trinke sie schon jeden Morgen. Aber das sei ja auch ganz normal als Geschäftsführerin. Fahrig wirkt die Frau mittleren Alters, angespannt und unruhig. Und die Aussagen werden zunehmend widersprüchlicher. „Ich brauche Ihre Hilfe“, heißt es da einmal – und im nächsten Moment: „Ich bin nur da, weil mein Mann sich sonst scheiden lässt.“ Viele Gedanken schwirren in ihrem Kopf, einige davon bringt sie auch zum Ausdruck. Konkreten Fragen des Arztes geht sie hingegen aus dem Weg. Eines steht für die Frau fest: „Verrückt bin ich nicht!“

 

Erlebbare Krankheitsbilder

Verrückt ist die Dame tatsächlich nicht. In Wahrheit heißt sie Gabriela Hütter und ist Schauspielerin. Ihr Gegenüber ist auch kein Arzt des HB Tokiostraße, sondern Dr. Klaus Paulitsch, Leitender Oberarzt der Psychiatrischen Ambulanz des Kaiser-Franz-Josef-Spitals. Und das Aufnahmegespräch? Fiktiv. Das Szenario ist Teil der Fortbildungsveranstaltung „Psychopathologie und Schauspiel“, das seit 2018 vier Mal pro Jahr für alle HB MitarbeiterInnen angeboten wird. SchauspielerInnen wie Gabriela Hütter schlüpfen dafür in die Rollen psychiatrischer PatientInnen, die sie zuvor mit deren Einwilligung über Monate hinweg begleiten. „Die Patientinnen und Patienten schätzen es, dass wir uns mit ihrer Krankheit beschäftigen, das habe ich von Anfang an gespürt“, so Hütter. „Die Zuwendung und dass wir genau hinschauen, das hat dazu beigetragen, dass sie sich uns geöffnet haben.“ Mehrere psychiatrische Krankheitsbilder werden so für die Zuhörenden erlebbar – von der Zwangsstörung über Schizophrenie bis zum Borderline-Syndrom. Worum es sich im jeweiligen Fall tatsächlich handelt, versucht das Publikum im Anschluss an die Szene durch Fragen und Beobachtungen zu erörtern.

Brücken in andere Welten

Das Ziel dieser innovativen Fortbildungsreihe: Typische Krankheitsbilder psychischer Erkrankungen erlebbar zu machen und die Kommunikation mit Betroffenen zu verbessern.  „Die wichtigste Grundlage für die erfolgreiche Betreuung psychisch kranker Menschen ist eine behutsame, klare Kommunikation, die den Patienten ernst nimmt und eine Brücke zu dessen Wirklichkeit aufbaut“, erklärt Primaria Dr. Barbara Schreiber, die als Initiatorin die Fortbildungsveranstaltung ins HB holte. Die ärztliche Leiterin des HB Pflegekrankenhauses Tokiostraße leitet auch die Psychogeriatrie im Haus. Seit 2014 werden hier auf vier Spezialstationen ältere pflegebedürftige BewohnerInnen mit psychischen Erkrankungen, Personen mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz, Parkinson oder Alzheimer sowie Menschen nach Schlaganfällen, Aneurysmen oder Schädel-Hirn-Verletzungen, die eine spezielle psychiatrische Behandlung benötigen, betreut. „Psychiatrie kann man nur anschaulich lernen, aber nicht nur an Patientinnen und Patienten“, ergänzt Dr. Paulitsch, der das Seminar seit rund einem Jahrzehnt anbietet. Neben Pflegefachkräften lernen auch MedizinstudentInnen und zukünftige TherapeutInnen auf diese Weise den Umgang mit psychisch Erkrankten.

Zurück im Seminar streift Gabriela Hütter die nächste Rolle über. Mit steifer Körperhaltung, angespannt und ängstlich wird sie versuchen, den Anwesenden eine weitere psychische Erkrankung näherzubringen. „Ich habe mich gut hineinversetzen können“, wird eine Teilnehmerin später sagen. „Sie war mir sympathisch und ich hatte großes Verständnis für ihre Situation.“

Mission geglückt. 

hdb

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