Literarischer Auftakt für Ivan Cankar-Jahr im Haus der Barmherzigkeit
Buchpräsentation der Neuübersetzung von Ivan Cankars „Das Haus der Barmherzigkeit“ mit Bachmann-Preisträgerin Ana Marwan im Nachfolgebau des historischen Schauplatzes.
Wien, 27.1.2026 – Am vergangenen Donnerstag wurde im Pflegekrankenhaus Seeböckgasse des Haus der Barmherzigkeit die neue, im Verlag Heyn erschienene Übersetzung von Ivan Cankars Roman „Das Haus der Barmherzigkeit“ präsentiert. Die Buchvorstellung markierte den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen anlässlich des 150. Geburtstags des Autors. Übersetzer Erwin Köstler sprach dazu mit der Schriftstellerin Ana Marwan über die Bedeutung dieses zentralen Werks der slowenischen Literatur der Moderne. Realisiert wurde die Veranstaltung in Kooperation mit dem Slowenischen Kulturinformationszentrum sowie dem Slowenischen Institut in Wien.
„Das Haus der Barmherzigkeit“ als Schlüsselwerk
Ivan Cankar lebte rund zehn Jahre seines Lebens in Ottakring, wo ein Großteil seines umfangreichen Schaffens entstand. Sein Roman „Das Haus der Barmherzigkeit“ (1904) gilt als zentrales Werk der slowenischen Weltliteratur und wurde 2024 neu ins Deutsche übersetzt. Der vielfach ausgezeichnete Übersetzer und Literaturwissenschafter Erwin Köstler kam bei der Buchpräsentation mit der Schriftstellerin Ana Marwan ins Gespräch, die 2022 für ihren Text „Wechselkröte“ mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde. Gemeinsam spürten sie der bis heute gültigen Aktualität von Cankars Werk nach. Mit seiner Klarheit und Poesie zählt der Roman laut Köstler zu den eindrucksvollsten Arbeiten von Cankar. „Das Werk zeigt uns den Autor als einen großen Beschreiber des ‚anderen‘ Wien, das vom glänzenden Image der Weltstadt des Fin de siècle nichts weiß“, so Köstler.
Literarisches Denkmal für chronisch Kranke
Die Veranstaltung fand gewissermaßen am Schauplatz des Romans statt: im Haus der Barmherzigkeit in Wien Ottakring, dem Nachfolgebau jener Einrichtung, die Cankar mehrfach besuchte. Das historische Stammhaus war zur Zeit seiner Gründung die erste Institution, die chronisch kranke Menschen unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Religion pflegte und kostenlos medizinisch versorgte. Für Cankar bot das Haus der Barmherzigkeit den Rahmen für eine Erzählung von einem Ort, an dem chronisch kranke Kinder nicht nur Pflege und Fürsorge erfahren, sondern vor allem auch Schutz vor den grausamen Verhältnissen, die ihr Leben um die Jahrhundertwende geprägt haben. „Cankars für seine Zeit außergewöhnlich klare Hinwendung zum Schicksal chronisch kranker Menschen verleiht seinem Werk eine besondere Eindringlichkeit und bis heute große Aktualität. In dieser Haltung des genauen Hinsehens und der Sensibilität für menschliche Not lässt sich auch eine Parallele zu unserer Mission ziehen,“ so Harald Sidak, Geschäftsführer im Haus der Barmherzigkeit.
Ivan Cankar: Das Haus der Barmherzigkeit. Frau Judit. Zwei Romane aus dem Slowenischen neu übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Erwin Köstler. 978-3-7084-0699-2, € 26,90 https://www.verlagheyn.at/
Ana Marwan und Erwin Köstler bei Buchpräsentation im Haus der Barmherzigkeit | Foto: Haus der Barmherzigkeit / APA-Fotoservice/Martin Hörmadinger
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